Kirchtagsmichl

Kirchtagsmichl

Eine kuriose Tradtion mit bayrischen Wurzeln im Pustertal

Im Pustertal wird anlässlich des Kirchweihfestes so richtig gefeiert und das gut 3 Tage lang. Dabei zieht ein besonderer Brauchtum die Aufmerksamkeit auf sich: der sogenannte "Kirchtagsmichl"! Diese lebensgroße Stoffpuppe wird mit der jeweiligen Tracht des Dorfes gekleidet und auf einem hohen Baumstamm in der Nähe des Festes befestigt.

Beim Brauchtum ging es darum, die Puppe des Nachbardorfes zu stehlen. Sozusagen gab es eine Wache, die über die Festtage auf den eigenen "Kirchtagsmichl" achten sollte. Natürlich war dieser "Aufpasser" nie alleine. Immer wieder kamen Freunde, Bekannte und Dorfbewohner vorbei und brachten Speis und Trank. Fehlen durfte auch nicht ein gutes Glaser'l Schnaps :-)

Wahrscheinlich kommt diese Tradition aus Bayern, allerdings wurde diese im Rahmen des Erntedankfestes gefeiert. Somit erklärt sich auch, warum nur die ladinischen Täler (und deren Umgebung) diese Tradition feiern. Nur diese wurden nämlich in der Vergangenheit von den Bayern erkämpft.

Heute hat der "Kirchtagsmichl" allerdings nur mehr einen symbolischen Charakter und wird auch nicht mehr von den Burschen gestohlen. Auch die Wachen sind nicht mehr alle 3 Tage durchgehend anwesend. Heutzutage steht viel mehr das Fest mit seiner traditionellen Südtiroler Kost und den verschiedenen Musikkapellen im Mittelpunkt.

Doch wer weiß - schauen Sie auf jeden Fall beim "Kirchtagsmichl" vorbei, vielleicht steht ja gerade der "Aufpasser" daneben?


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